Was für mich Kultur ausmacht?

Also das ist ja mal ein Auftrag, Astrid von Le Monde de Kitchi!

Sie war es nämlich diejenige, die hier danach gefragt hat, was für den Leser Kultur ausmacht und hat in ihrem Blog zu dem Thema einige Themen angeschnitten, denen ich zustimme.

In vielen Punkten, die Astrid beschreibt, finde auch ich meine Wurzeln. Das liegt sicher daran, dass ich verstehe, was sie meint, wenn verschiedene Kulturen Tür an Tür leben. Bei uns waren es die Griechen und Türken. Die Kirche stand für uns am anderen Ende des Ortes, war aber dennoch Mittelpunkt unserer Familie. Dabei meine ich nicht unbedingt im speziellen die Kirche, der Pfarrgemeinde. Für mich persönlich war es diese Kirche, die mir Heimat bot und die ich gerne angenommen habe.

Gemeinschaftliche Zusammenkünfte, Feiern, Ausflüge habe ich als Kind von dort ausgehend erlebt. Als 6-Jährige trat ich dem örtlichen Kinderchor bei und war von da an immer dabei, wenn es um das Krippenspiel, um die Gestaltung des Mundartgottesdienstes und die Teilnahme am Karnevalszug ging. Es hat mich sehr geprägt ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Überhaupt hatte ich dort die Möglichkeit andere Familien, Gewohnheiten, Ansichten kennen zu lernen. 

Natürlich hat das Elternhaus vorwiegend die kulturelle Erziehung übernommen. Die interlektuelle Erziehung nahm eine große Rolle ein. Angefangen über Museumsbesuche (Köln ist ja voll davon und Astrid berichtete) kam ich in den Genuss von  ca. 5 Jahren „Theater im Querschnitt“. D.h. Komödie, Operette, Schauspiel, Oper, usw. im Abonement der Bonner Theatergemeinde und somit rund 30 Vorstellungen, denen ich zwischen 13 und 17 Jahren beiwohnen dürfte.  Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht manches mal hinterher das Essen am besten fand…. und lass das mal so stehen.

Als 4. Kind – und das mit Abstand – war mir das interlektuelle Gespräch meistens zu hoch und so kamen mir die Ausflüge meines Vaters mehr entgegen. Ich bin und war wohl eher der pragmatische Mensch.

Als Gartenarchitekt und absoluter Naturfreak und Selbermacher interessierte sich unser Vater für Natur und Handwerk. Neben Besuchen in Kommern – einem ziemlich tollen Freilichtmuseum, in das jedes Kind aus dem Rheinland mal gegangen sein sollte und Fahrten in die Eifel, verbunden mit Besichtigung von Schlössern, Märkten und der obligatorischen „Bergischen Waffel“, besuchten wir Parks und Gärten. Immer mit dem Blick auf die Landschaft und Erklärungen, was diese so besonders macht, wurde mit dem gewaschenen Auto die Fahrt ins Grüne unternommen. Ganz besonders für mich war das Jahr 1979 in dem die Bundesgartenschau in Bonn stattgefunden hat. Wir hatten eine Jahreskarte und ich war mindestens 3 mal im Monat dort. Mein Vater war dort sehr involviert in die Parkgestaltung. So habe ich im Grundschulalter ziemlich viel über Gartenarchitektur gelernt. Es hat mir wirklich sehr geprägt – stelle ich fest.

Und mit der Landschaft und dem Augenmerk darauf sind wir ja auch ganz nah bei dem Begriff Kultur. Denn wenn ich es richtig verstehe geht es ja im weitesten Sinne um cultura und der Pflege und den „Ackerbau“.

Und so sind wir bei der Brauchtumspflege… Hihi, davon gibt es ja auch so einiges zu berichten bei uns im Lande. Als rheinische Frohnatur bin ich leicht zu haben, wenn es ums Feiern geht.

In Bayern, wo ich seit über 20 Jahren lebe, bin ich von den Menschen immer mit offenen Armen empfangen worden. Ich habe mich – gegen die Unkenrufe von manchen Menschen – sehr gut hier zurecht gefunden. Vielleicht liegt es daran, dass sich die beiden Völkchen in mancher Hinsicht ähnlicher sind, als sie es glauben lassen wollen. Der Bayer ist genauso direkt wie der Rheinländer. Der Rheinländer kann es vielleicht manchmal etwas besser verpacken. Im Biergarten ist es ganz normal, dass man sich zu jemandem mit an den Tisch setzt und da kommt man mit dem Bayern durchaus ins Gespräch.

Ach apropos – Tischkultur… ja, da könnte ich auch was zu schreiben. Wir versuchen unseren Kindern ein ordenltiches Benehmen am Tisch beizubringen, so Essen mit Messer und Gabel und so. Und die Hand nicht unter den Tisch legen. Wenn sie mehrere Tage in Hort und Schule gegessen haben, wandert ganz unbewusst ihr Ellebogen auf die Tischkante. Häh? Das haben wir Euch nicht so beigebracht… 🙂 – Ok -das war jetzt ein nicht geplanter zusätzlicher Punkt. Aber Kultivieren ist eine wichtige Aufgabe für uns Eltern. Ich weiß gar nicht wo man hier anfängt und wo aufhört.

Ich werde mich jetzt mal Verlinken zu Astrid. Der Feiertag ruft nach zwei bis drei Dingen, die noch zu erledigen sind. Nachdem ich das Thema Kultur aber so interessant fand, musste das dazwischenrutschen. Und ich werde mir die nächsten Tage noch mehr Gedanken darüber machen…

In diesem Sinne… eine kultivierte Woche!

2 Antworten auf „Was für mich Kultur ausmacht?“

  1. Da habe ich mich richtig gefreut, dass du so schnell mitgemacht hast! Und über das Bild im Dirndl! Was du über die Rheinländer im Vergleich zu den Bayern sagst, werde ich mal an die Tochter weiter geben. Interessant fand ich deine Ausführungen zu Garten- & Landschaftspflege. Liegt mir ja auch irgendwie am Herzen….
    Hab noch eine feine erste Oktoberwoche!
    Herzlichst
    Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *